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Was erwartet Anleger im Jahre 2026?

 

Was bringt das kommende Jahr 2026? Welche Themen werden die Weltwirtschaft und die Märkte im Jahr 2026 und darüber hinaus beherrschen? Was sind die Chancen - und was kann schiefgehen?

Antworten auf all diese Fragen haben wir in unserem „Jahresausblick 2026" für Sie herausgearbeitet. Es war uns wichtig, dies auf unterhaltsame und verständliche Art und Weise zu tun. Ziel war es, Fachwissen so zu präsentieren, dass der Leser und die Leserin eben keine Marktexperten sein müssen, um zu verstehen, was wir denken.

Lesen Sie selbst und entscheiden Sie, ob uns das gelungen ist. Sie erfahren nachfolgend, was wir konkret vom neuen Jahr erwarten und was Sie bei Ihren Anlageentscheidungen 2026 nicht außer Acht lassen sollten:

Das Ende eines verrückten Jahres

Insgesamt stand das Jahr 2025 im Zeichen tiefgreifender politischer und ökonomischer Weichenstellungen. In den USA prägte Donald Trump mit seiner „Big Beautiful Bill“-Politik die Agenda: eine dezidiert angebotsorientierte Politik, die zwar das Wachstum stützte, deren Begünstigte jedoch primär in den höheren Einkommensschichten zu finden waren. Die schon ikonische Zeremonie der Strafzoll-Verlesung im Rosengarten überraschte durch ihre Aggressivität. Trump nutzt Zölle auch, um politische Allianzen zu schmieden. Andererseits hofierte er asiatische Staaten, in denen er das industrielle Know-how vermutete, das den USA abhandengekommen war und das er nun benötigt, um die USA in strategischen Branchen unabhängiger von China zu machen. Gegen China selbst hat Trump bisher jedoch den Kürzeren gezogen. Präsident Xi Jinping bewahrte Ruhe und spielte die wirtschaftliche Abhängigkeit der USA von China bei kritischen Rohstoffen und anderen Produkten aus. Gleichzeitig führt Trumps Unberechenbarkeit dazu, dass Indien und andere Staaten sich China annähern.

Für die USA lässt sich festhalten, dass Künstliche Intelligenz die Wirtschaft und die Börse – und vielleicht sogar Donald Trump – gerettet hat. So ist der S&P 500 zwar zwischenzeitlich um fast 19 Prozent auf einen Rekordstand gestiegen, doch die gleichgewichtete Variante, die die Dominanz der Technologiewerte bricht, hinkt mit einem Plus von zwölf Prozent hinterher. Aufgrund des schwachen US-Dollars schrumpfen die Renditen für den Euro-Anleger auf fünf Prozent beziehungsweise auf eine rote Null.

Was ist aus unserem Ausblick für das Jahr 2025 geworden?

Beginnen wir mit der Prognose, bei der uns die Turbulenzen der US-Präsidentschaft zu einer schnellen und rechtzeitigen Korrektur gezwungen haben. Ursprünglich hatten wir mit einem weiterhin stabilen US-Dollar gerechnet. Doch Donald Trump hatte andere Pläne und ein deutlich umfangreicheres „Playbook” als in seiner ersten Amtszeit, das ihm sein Berater Stephen Miran geschrieben hatte. Mirans Idee: Ein starker Dollar schwächt die internationale Wettbewerbsfähigkeit der USA, er ist die Ursache der Defizite des Landes und somit der Fluch seiner Rolle als Leitwährung. Seine These: Ein schwächerer Dollar ist langfristig ein stabilerer Dollar, weil die US-Wirtschaft gesundet. Bereits im März hatten wir begonnen, unsere US-Dollar-Bestände abzusichern. Das gute Abschneiden unseres Global-Systematic-Fonds in diesem Jahr ist zu einem Teil auf diese Maßnahme zurückzuführen.

Unser wichtigster strategischer Ansatz für 2025 hat sich jedoch von Anfang an bewährt. Eine breite Streuung war das Gebot der Stunde. Zwar verzeichneten US-Aktien, getrieben vom KI-Hype, neue Rekordhochs, doch für Euro-Investoren boten fast alle anderen Märkte – insbesondere Europa und Asien – in der Währungsbetrachtung eine beeindruckendere Performance. US-Aktien waren vor allem in Lokalwährung (USD) eine starke Position, litten jedoch unter Währungseffekten.

Zu dieser Empfehlung gehörte auch Gold, das unsere Erwartungen in diesem Jahr sogar deutlich übertroffen und die meisten Aktienindizes klar hinter sich gelassen hat.

Ausblick 2026: Der synchrone Wandel – Die Märkte im Spannungsfeld von Wachstum und Risikomanagement

Was bringt das kommende Jahr 2026? Welche Themen dominieren die Weltwirtschaft und die Märkte, insbesondere nach einem turbulenten und doch überraschend widerstandsfähigen Jahr 2025? Was sind die Chancen – und was kann schiefgehen oder anders verlaufen?

Unser Ziel ist es, Ihnen die wesentlichen Leitplanken und Szenarien zu präsentieren, damit Sie die erwartete Volatilität aktiv managen können. Angesichts der Komplexität und der sich wandelnden Marktbedingungen sind wir davon überzeugt, dass ein aktives und diszipliniertes Investieren unerlässlich ist. Einerseits bleibt das makroökonomische Umfeld mit globalem Wachstum und unterstützender Politik konstruktiv. Andererseits sind diese positiven Nachrichten bereits weitgehend in den Kursen enthalten. In diesem spätzyklischen Umfeld lautet daher das Gebot der Stunde, Risiken im Auge zu behalten.

Für das kommende Jahr halten wir an unserer Strategie der breiten Diversifikation fest. Ein zentraler Grund hierfür ist unsere skeptischere Sicht auf den bisherigen Haupttreiber des Marktes, den KI-Sektor, sowie auf die mittlerweile große Anzahl damit verbundener Subthemen wie Energieversorgung. Dabei geht es nicht um die müßige Frage, ob nun eine Spekulationsblase platzt – was wir nicht prognostizieren wollen – sondern darum, das beste Chance-Risiko-Verhältnis eines Portfolios zu erreichen.

 

Der KI-Sektor im Wandel

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) wird in nächster Zeit voraussichtlich unter zunehmendem Wettbewerbsdruck stehen. Die Wachstumsraten werden sich mäßigen, da der Basiseffekt schwieriger zu schlagen sein wird. Wichtiger erscheint uns das Risiko zunehmenden Margendrucks, da sich der Wettbewerb intensivieren wird. Der Erfolg des neuen KI-Modells Gemini 3.5 von Alphabet/Google, das mit den hauseigenen Tensor-Chips trainiert wurde – ganz ohne den Platzhirschen Nvidia – ist ein Vorbote. Zudem sinken die Kosten für das „Prompten“ von Modellen. Auch Chinas Strategie, sehr leistungsfähige KI-Modelle kostenlos zur Nutzung auf eigenen Computern in der Public Domain anzubieten, wird dazu beitragen.

Nicht das beste KI-Modell wird über Gewinner und Verlierer entscheiden, sondern die Infrastruktur, mit der sich KI tief in die Geschäftsabläufe der Kunden integrieren lässt. Am Ende sind möglicherweise die Platzhirsche Alphabet und Microsoft am besten positioniert, zumal sie auch über entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten aus ihrem laufenden Geschäft verfügen.

Während China eine eigene Strategie verfolgt, die stark auf eine Nutzung in der Industrie abzielt, scheinen die USA sich sehr stark auf Dienstleistungen und Verwaltung zu fokussieren. Jeff Bezos' Project Prometheus erkennt offenbar die gleichen Chancen wie China und will sich auf KI-Lösungen in den Bereichen Ingenieurswesen und Herstellung konzentrieren. Unter dem gleichen Stern steht die Zusammenarbeit zwischen Nvidia und dem japanischen Technologiekonzern Hitachi. Vor diesem Hintergrund erscheint die Suche nach Investitionen in der zweiten und dritten Ableitung des KI-Anlagethemas erfolgsversprechend.

Europas Strategie scheint hingegen momentan vor allem darin zu bestehen, Bedenken gegen diese Technik zu formulieren, die zweifellos die Welt verändern kann.

Wie bei jeder revolutionären Technologie werden wir ein Wettrennen um Marktanteile durch den Ausbau potenzieller Überkapazitäten erleben. Der daraus resultierende Preisverfall wird diese Technik dann nachhaltig im Markt etablieren. Dazwischen bleiben als Risiken vor allem Implementierungshürden. Ernüchterung tritt ein, wenn viele Unternehmen feststellen, dass die produktive Integration von KI in bestehende Prozesse keineswegs trivial ist.

 

Unser Ausgangsszenario für 2026: Der synchrone Wandel

Der makroökonomische „Top-Down“-Ausblick für 2026 ist grundsätzlich neutral, wenngleich wir die Risiken einer Blasenbildung bei einigen Anlagethemen wie Rüstung oder KI nicht ignorieren. Wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren und diese im Falle der KI möglicherweise doch nicht zuschlägt, war noch nie eine gute Strategie. Wir erwarten, dass sich die globale wirtschaftliche Expansion fortsetzt, flankiert von einer weiterhin unterstützenden Geld- und Fiskalpolitik. In den USA werden nun die fiskalpolitischen Impulse aus dem „Big Beautiful Bill” sichtbarer. Nach den politischen Rückschlägen in den USA wird Trump vor den Zwischenwahlen versuchen, sich möglichst konziliant zu verhalten. In Europa hoffen wir, dass nach den Wirrungen in Frankreich und Deutschland nun mehr Stabilität einkehrt und speziell die deutsche Regierung von der Ankündigungs- in die Umsetzungsphase wechselt.

Es bleibt jedoch Vorsicht geboten. Die Märkte haben hier bereits einige Vorschusslorbeeren verteilt. Die zugrunde liegenden Fundamentaldaten deuten jedoch nicht auf einen neuen Aufschwung, sondern auf eine späte Phase des Konjunkturzyklus hin. Es kann zu Wachstumsrotationen kommen. Während die USA weiterhin solide wachsen, dürfte sich die Schere zum Rest der Welt schließen. Das Wachstum außerhalb der USA gewinnt an Fahrt, wodurch die relative Überlegenheit der US-Wirtschaft geschmälert wird.

Wachstum und Inflation

Wir beobachten eine synchronisierte Wiederbelebung der Weltwirtschaft. Das globale Wachstum soll sich nach diesem Quartal beschleunigen. Die Inflation in den Industrieländern wird zwar über dem Zielniveau verharren, aber voraussichtlich unter der Marke von 4 % bleiben. China und Europa haben im Vergleich zu den USA mehr Spielraum für nichtinflationäres Wachstum. Die Zentralbanken lockern moderat: Es wird erwartet, dass sie (insbesondere die US-Notenbank und die EZB) die Zinsen weiter senken. Das sollte den Anleihenmärkten zugutekommen. Der Fokus liegt auf der Suche nach Katalysatoren inmitten dieser Lockerungszyklen.

Geldpolitik & Rentenmärkte: Die Fed könnte enttäuschen

Derzeit klammern sich die Märkte an die Hoffnung auf aggressive Zinssenkungen der US-Notenbank (Fed), doch diese Erwartungen stehen auf tönernen Füßen. Wir gehen davon aus, dass die Inflation aufgrund des robusten US-Wachstums hartnäckig über dem Zielwert verharren wird. Die Fed wird die hohen Markterwartungen nicht erfüllen können und moderater senken. Durch das Fehlen aktueller Konjunkturdaten aufgrund der zeitweisen Schließung von US-Behörden als Folge des US-Haushaltsstreits ist die Sicht noch unklar. In den USA könnte die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen vom aktuellen Niveau aus etwas sinken. Am kurzen Ende der Laufzeiten könnten inflationsgeschützte Anleihen (TIPS) attraktiv bleiben.

Zwar hat der Renditeanstieg bei japanischen Staatsanleihen, der auf die Erwartungen weiterer Zinsanhebungen der Bank of Japan zurückzuführen ist, zuletzt auch die Renditen anderer Staatsanleihen nach oben gezogen, doch wir sehen auf den nun erreichten japanischen Renditeniveaus eine große Kaufbereitschaft. Solange die Löhne in Japan stärker als die Inflation steigen, ist die Welt dort in Ordnung.

Die US-Geldpolitik ist gleichzeitig die Unbekannte in unserem Szenario. Eine durch Donald Trump politisierte US-Notenbank könnte die Zinsen zu stark senken, was die Furcht vor einem Festsetzen der Inflation befeuern würde. Allerdings wollen wir an den Liz-Truss-Moment in Großbritannien erinnern, als ein vollkommen unausgegorener Haushaltsentwurf zusammen mit der Premierministerin von den revoltierenden Anleihenmärkten zu Fall gebracht wurde. Ein Fed-Präsident von Donald Trumps Gnaden dürfte auch vom US-Anleihenmarkt Grenzen gesetzt bekommen.

Regionale Treiber und Thementrends

Die US-Wirtschaft, die durch fiskalische Impulse und die KI-Revolution gestützt wird, wird voraussichtlich ein reales BIP-Wachstum von etwa 2,1 % verzeichnen. Es bleibt abzuwarten, ob sich bereits ein Anstieg der Produktionsleistung pro Arbeitsstunde durch KI abzeichnet.

Renaissance Europas durch Fiskalimpulse: Die Eurozone wird ein Wachstum von 1,1 bis 1,6 % erwarten können. Dieser Aufschwung wird hauptsächlich durch die verzögerte Wirkung früherer geldpolitischer Lockerungen, die Freisetzung privater Ersparnisse und einen stärkeren fiskalpolitischen Impuls getragen. Deutschland wird 2026 wachsen. Die erhöhten Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur in Europa (unterstützt durch die Lockerung der Schuldenbremse in Deutschland und EU-Initiativen) werden Anfang 2026 wirksam und sollen die interne Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Aktienmärkte: Die Hürden liegen hoch

Für Aktienanleger wird das Fahrwasser im Jahr 2026 rauer. Die Kombination aus bereits erhöhten Gewinnerwartungen, hohen Bewertungen und den hohen Anleiherenditen schafft ein anspruchsvolles Umfeld. Künstliche Intelligenz bleibt zwar ein dominantes Thema, doch die Erwartungen sind mittlerweile sehr hoch. Insbesondere bei Halbleiteraktien sind Margen von 40 Prozent und Rekordbewertungen eingepreist, sodass kaum Spielraum für Fehler bleibt. Im Halbleitersektor konnte bisher noch kein Unternehmen einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil aufbauen. Was bei Internetportalen wie Google oder bei Amazon und Apple möglich ist – nämlich Netzwerkeffekte zu nutzen und monopolartige Strukturen zu errichten –, ist dort fast unmöglich.

Enttäuschungen sind im Jahresverlauf wahrscheinlich, da die Kurse hier oft mehr Extrapolation als ökonomische Realität widerspiegeln.

Wir bleiben bei einer breiten regionalen Diversifikation und empfehlen weiterhin, sich taktisch von der US-Dominanz abzuwenden. Innerhalb eines globalen Aktienportfolios gewichten wir die USA unter. Attraktivere Chancen bieten sich in Regionen mit günstigeren Bewertungen und aufholendem Wachstum wie den Schwellenländern, Europa inklusive Großbritannien und Japan. Japan profitiert von einer zunehmend aktionärsfreundlichen Politik und starken Gewinnrevisionen (EPS-Wachstum von 13,3 Prozent im Jahr 2026). Die chinesische Regierung wird eine moderate Politikunterstützung leisten, um die Binnennachfrage zu beleben. Ihr Fokus liegt jedoch auf Technologieinnovation. Einerseits will China unabhängiger vom Ausland werden, andererseits aber mit seinen Produkten im Ausland an Einfluss und Ansehen gewinnen. Mit High-Tech, aber auch niedlich mit Lalabu-Püppchen. Im Jahresverlauf könnte sich die Chance für eine stärkere Gewichtung ergeben.

Bei Nebenwerten (Small- und Mid-Caps) sind wir noch vorsichtig. Es gibt noch keine eindeutigen Belege für ein Ende des Abwärtstrends bei den Gewinnen. Insbesondere die deutlich riskanteren Small Caps in den USA eignen sich eher als taktische Instrumente. Eine Sondersituation sehen wir in Japan, wo das Thema einer aktionärsfreundlicheren Unternehmenskultur, die staatlich gefördert und gefordert wird, von den Large-Caps zu den Mid- und Small-Caps übergreift. Inklusive Übernahmen.

Rohstoffe: Noch mehr KI oder noch mehr Gold?

Gold ist technisch überkauft und fundamental teuer. Die Geschichte der Goldkäufe durch Zentralbanken, die sich vom US-Dollar und den USA diversifizieren wollen, scheint uns auserzählt. Der größte einzelne Goldkäufer war zuletzt der in El Salvador ansässige Betreiber der Stablecoin Tether. Wir sehen zwar keinen unmittelbaren Absturz, halten aber die Realisierung von Kursgewinnen und damit die Herstellung der Goldgewichtung zu Anfang des Vorjahres für sinnvoll.

Beim Rohöl sehen wir im späteren Jahresverlauf begrenztes Aufwärtspotenzial, das jedoch durch vorhandene Förderkapazitäten gedeckelt ist. Ein großer Swingfaktor bleibt der Krieg in der Ukraine.

Industriemetalle würden von einer stabilen Industrieproduktion profitieren. Langfristiger Rückenwind wird durch die Elektrifizierung der Wirtschaft entstehen, bei der China Vorreiter ist. Aktuell sind die Kupferpreise durch Produktionsausfälle und Zollspekulationen verzerrt.

Was könnte uns überraschen? Zwei positive und eine negative Entwicklung

Das größte Risiko liegt im „Interpretationsspiel“, da die Märkte versuchen, das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Inflation neu zu bewerten. Hier sind unsere drei Alternativszenarien.

Ein Produktivitätsaufschwung. Nach der Stagnation seit der Finanzkrise deutet eine Erholung im Jahr 2025 darauf hin, dass ein neuer globaler Produktivitätszyklus bevorstehen könnte. Die generative KI erfüllt tatsächlich die optimistischsten Erwartungen. Unterstützend wirken zudem eine mögliche politische Annäherung zwischen Großbritannien und der EU sowie massive Infrastrukturinvestitionen in Deutschland. Auch das Abklingen vergangener Schocks, wie der Energiekrise, spricht dafür, dass es sich nun um eine nachhaltige Trendwende beim Wachstum handelt.

Europa findet zueinander. Entgegen den niedrigen Markterwartungen könnte Europa durch Fortschritte bei der Kapitalmarktunion (CMU) und der „Savings and Investments Union“ positiv überraschen. Wichtige Blockaden wurden kürzlich gelöst, etwa durch die Aufgabe des deutschen Widerstands gegen eine zentralisierte Aufsicht und die Harmonisierung des Insolvenzrechts. Sollte diese Integration gelingen, würde dies einen notwendigen Ausgleich zu Europas langfristigen strukturellen Herausforderungen schaffen und die Wahrnehmung an den Märkten verbessern.

Eine zweite Inflationswelle: Entgegen dem Konsens sinkender Inflationsraten besteht dieses Risiko, da herkömmliche Modelle Regimewechsel oft übersehen und Inflationsepisoden historisch gehäuft auftreten. Zölle könnten den US-Verbraucherpreisindex um einen halben Prozentpunkt erhöhen. In einer starken Wirtschaft können Unternehmen diese Kosten eher weitergeben. Ein entscheidender Risikofaktor ist der politische Druck der Trump-Regierung auf die US-Notenbank, wodurch deren Unabhängigkeit untergraben werden könnte. Dies würde die Inflationserwartungen entankern und zu höheren Renditen bei US-Staatsanleihen sowie zu einer steileren Zinskurve führen. Wie jedoch bereits erwähnt, setzen wir auf „Mister Market“, der die Fed ausbremst.

Fazit und Kernpunkte

Das Jahr 2026 steht im Zeichen des synchronen Wandels. Es kündigt einen entscheidenden Moment im Zyklus an, ist aber noch nicht das Ende der Musik. Um in diesem Umfeld erfolgreich zu sein, ist es ratsam, breit diversifiziert zu sein und gleichzeitig bereit, die Allokationen im Jahresverlauf aktiv anzupassen. Der Fokus sollte auf Qualität, strukturellen Wachstumsthemen (KI, Elektrifizierung) und einer geographischen Streuung liegen, die über die teuere  US-Megacaps hinausgeht.

Kernpunkte für 2026:

  • Synchrone Erholung: Die Weltwirtschaft erlebt ein synchronisierten Wachstums in der Spätphase des Zyklus.
  • Asien und EM im Aufwind: Schwellenländeraktien und Japan sind aufgrund günstiger Bewertungen, hoher Gewinnerwartungen und zunehmender geopolitischer Stabilität attraktiv.
  • Europäische Fiskalwende: Europa, insbesondere Deutschland, wird durch massive staatliche Ausgaben in Infrastruktur und Verteidigung (Fiskalimpuls) gegenüber den USA aufholen, was Value-Titel attraktiv macht.
  • KI-Diversifikation: Anleger sollten auf eine breitere Titelselektion im KI-Ökosystem setzen (z. B. Energieversorger, Industrie, Infrastruktur), da der Wettbewerb zunimmt und der Energiebedarf enorm steigt.
  • Rohstoffe/Industriemetalle: Rohstoffe (Kupfer) profitieren von der synchronen zyklischen Erholung und dem weltweiten Infrastrukturausbau für die elektifizierte Wirtschaft und KI-Rechenzentren.
  • Risikomanagement: Ein aktives Management zur Steuerung der Volatilität und zur Anpassung der Allokationen ist unerlässlich, da Risiken wie eine unerwartet hohe Inflation oder ein Platzen der KI-Blase weiterhin bestehen.
  • Anleihen kehren zurück: Anleihen (insbesondere Schwellenländeranleihen mit hohem Carry) gewinnen ihren Diversifikationscharakter zurück.

 

Vieles klingt sehr harmonisch, aber dieses komplexe Zusammenspiel kann durch einige Misstöne zusammenbrechen. Insbesondere eine vollkommene Fehleinschätzung der Nachfrage oder der Fähigkeiten von KI könnten zu Turbulenzen führen. Ebenso Überraschungen bei den Private Markets, an denen Private Equity Firmen weiter auf Exits für ihre Beteiligungen warten. Hier sehe wir erste Anzeichen eines Tauwetters. Der Schwarze Schwan ist in der Geopolitik zu suchen, sollte Trump sein Blatt gegenüber China überreizen.

 

Christof Schmidbauer | apano Investments

15.12.2025